Willkommen bei den Guttemplern in Wedel

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Immer erreichbar für Suchtkranke

Guttempler aus Wedel sitzen am Nottelefon, das vor zehn Jahren an den Start ging / Zuhören und Kontakte vermitteln

 

    

WEDEL. Wer Dienst hat, ist 24 Stunden erreichbar. Von einem Abend bis zum nächsten dauert der Einsatz für das Nottelefon der Guttempler Schleswig-Holstein. Jederzeit kann das Telefon klingeln - oder auch gar nicht. "Dann bin ich nicht etwa enttäuscht, sondern froh", sagt Dieter Groth. Denn dann braucht niemand seine Hilfe, der dicke Ordner mit Adressen, Telefonnummern und Kontaktdaten von Suchthilfestellen aus dem ganzen Bundesland bleibt ungeöffnet.
Hilfe nicht nur innerhalb von Sprechzeiten
Seit zehn Jahren gib es das Nottelefon. 30 Ehrenamtler landesweit wechseln sich mit den Einsätzen ab. Der Dienstplan wird von Groth organisiert. Allein sechs von ihnen sind aus Wedel, gehören der Ortsgemeinschaft an. Die Guttempler helfen bei Alkohol- und anderen Suchtproblemen, es gibt regelmäßige Treffen und Gesprächskreise. Doch die Guttempler am Telefon verweisen auf alle Hilfseinrichtungen, immer möglichst wohnortnah. "Wenn es mir schlecht geht, will ich nicht noch durch die halbe Stadt müssen", so Groth. "Aber die haben eben nur bestimmte Öffnungszeiten, außerhalb der Sprechstunden läuft der Anrufbeantworter".
   Erreichbar sein, zuhören, Kontakte vermitteln - oder aber im Notfall auch die Polizei informieren: Die Ehrenamtler haben keine leichte Aufgabe übernommen. Sie werden regelmäßig geschult, "und wir tauschen uns untereinander aus". Manches könne man nicht mit sich selbst ausmachen. Neben der 24-Stunden-Bereitschaft haben die Guttempler vor allem auch Verständnis - zum Teil aufgrund eigener Erfahrung. "Da ist jemand, der versteht mich, der kann das nachvollziehen", sagt Groth. Dass er nicht jemand sei, der sich das nur "angelesen" habe. Er ist selbst seit 28 Jahren trockener Alkoholiker. Seine Frau Ingrid hat mit ihm die Zeit seiner Trunksucht damals durchgestanden. Und macht mit beim Nottelefon.
   Denn nicht nur Betroffene selbst rufen an, sondern oft auch die Angehörigen. Sie fragen nach Rat, teilweise leider erst, wenn es ganz schlimm wird. "Einmal rief jemand an, dessen Frau bewusstlos am Boden lag. Ich hab ihn überzeugt dass er die 112 ruft", erzählt Groth. Daran habe der Mann offenbar gar nicht gedacht. "Viele haben auch Angst, dann was bezahlen zu müssen", so Groth.
   Mindestens eine halbe Stunde Zeit müssten sie sich schon nehmen, um ein Gespräch zu führen. "Es ruft aber auch mal jemand an, der einfach nur eine Adresse in Kiel möchte", sagt Ingrid Sietz. Auch sie ist seit 19 Jahren trocken. "Erst hat mein Mann getrunken, dann ich." Wichtig ist es, den Anrufern das Gefühl zu geben, dass sie richtig gehandelt haben, es gut war, dass sie die Nummer gewählt haben - so könne man sie für weitere Schritte stärken.
   Alkoholismus sei ein Problem im mittleren Alter - viele Anrufer seien um die 40. "Junge Leute rufen kaum an", sagt Groth. Wenn, dann würden sich da eher die besorgten Verwandten melden.
   Die Wedeler Guttempler sind gern bereit, sich für den Dienst ans Haus zu binden. Die Service-Nummer könne zwar auch aufs Handy umgeleitet werden. "Aber die Gespräche gehen nicht zwischen Tür und Angel", so Groth. "Ich mache dann im Sommer etwa gern Gartenarbeit", so Groth.
   Neue Mitstreiter aus den eigenen Reihen werden ständig gesucht. "In der Regel ist man einmal im Monat dran", erklärt Groth. Wer berufstätig sei, werde dann nur am Wochenende eingesetzt.

Foto Paulus: Dieter Groth (von links), Ingrid Sietz und Ingrid Groth hören am Nottelefon zu.

9. Februar 2012  von Uta Paulus

 

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